Domaine de Vaccelli - Campo di Magna Blanc 2020
In Cognocoli-Monticchi, im Taravo-Tal, hat sich das Domaine de Vaccelli als eines der präzisesten und ambitioniertesten Gesichter des korsischen Weinbaus etabliert. Die Familie Courrèges arbeitet an Granitarena-Hängen im Süden der Appellation Ajaccio mit einer seltenen Sensibilität für Inselrebsorten und deren Fähigkeit, den Ort auszudrücken. Gérard Courrèges hat diese parzellenspezifische Lesart nach und nach verfeinert und den Weinen des Weinguts eine Tiefe verliehen, die das manchmal sonnige Bild korsischer Weine weit übertrifft. Das Anwesen ist bekannt für seine Beherrschung von Vermentinu und Sciaccarellu sowie für Ausbauten, die die Substanz begleiten, ohne die Energie des Terroirs zu überdecken. Die Reben werden seit 2008 biologisch bewirtschaftet, mit einer Zertifizierung, die 2019 erlangt wurde, in einem Ansatz, der sowohl Genauigkeit als auch Bodenresonanz sucht. Campo di Magna Blanc 2020 gehört zu dieser Generation von eher zurückhaltenden Cuvées, die als konzentrierte Ausdrucksformen eines bestimmten Ortes gedacht sind. Dieser korsische Weißwein besitzt somit die Dimension eines großen Terroir-Weins, näher an einer geduldigen und tiefgründigen Interpretation des Vermentinu als an einem einfachen mediterranen Weißwein.
Diese Cuvée hebt ein kleines Vermentinu-Parzelle hervor, von der ein großer Teil auf besonders tiefen Granitböden ruht. Diese Bodentiefe verleiht dem Wein eine eigenständige Persönlichkeit, mit einer breiteren, umhüllenderen Substanz, die jedoch stets von einer mineralischen Frische getragen wird. Die Rebsorte gewinnt an Dichte, ohne an Präzision zu verlieren, und offenbart einen Ausdruck, der zugleich sonnig, salzig und sehr strukturiert ist. Verfügbare Informationen deuten auf eine Reifung in gebrauchtem Holz hin, eine stimmige Wahl zum angestrebten Stil: Volumen, Sauerstoffzufuhr und Tiefe zu bringen, ohne eine dominante Holznote aufzuzwingen. Der Jahrgang 2020, der nun eine interessante Öffnungsphase durchläuft, erlaubt es dem Wein, über die reine Jugendfrische hinauszugehen und mehr Textur, Patina und Komplexität zu zeigen. Campo di Magna unterscheidet sich somit von unmittelbareren Weißweinen durch seine Länge, Standfestigkeit und den Eindruck eines Vermentinu, der mit fast burgundischer Ambition gearbeitet wurde. Das Ganze bleibt tief korsisch, aber in einer reinen, seriösen und gastronomischen Lesart, in der Frucht, Boden und Ausbau zurückhaltend miteinander zu kommunizieren scheinen.
Die Farbe behält einen maßvollen goldenen Glanz, mit jener Leuchtkraft, die typisch für korsische Weißweine ist, die ohne Schwere gereift sind. Die Nase öffnet sich mit reifer Zitrone, Birne, weißem Pfirsich, frischer Mandel und einigen tieferen Nuancen von feinem Wachs, getrockneten Blumen und warmem Stein. Die Belüftung bringt eine mediterranere Dimension hervor, zwischen Macchia-Kräutern, Zitrusschale und einer leichten rauchigen Note. Am Gaumen zeigt der Wein eine breite, fast kugelförmige Substanz, die jedoch nie schwer wirkt, getragen von einem salzigen Faden, der den Abgang verlängert. Die Textur ist eine seiner großen Stärken: Sie verleiht Präsenz, Noblesse und eine echte Fähigkeit, charaktervolle Speisen zu begleiten. Der Abgang, lang und fein herb, verlängert Noten von kandierten Zitrusfrüchten, weißen Früchten und trockener Mineralität. Er begleitet mit großer Präzision gegrillte Languste, gebratenen Steinbutt, Jakobsmuscheln mit Zitrusbutter, Freilandgeflügel mit leichter Sahne, Muschelrisotto oder einen maßvoll gereiften Schafskäse. Serviert bei etwa 11 bis 12°C profitiert er davon, etwas im Voraus geöffnet zu werden, damit sich seine Substanz und Tiefe voll entfalten können.
Rebsorte: Vermentinu